Weideschlachtung

"Der letzte Tag des Lebens darf nicht das schwächste Glied im Leben eines seit Geburt tierfreundlich gehaltenen Rindes sein."

Das Einfangen und Verladen, der Transport, sowie die Entladung im Schlachtbetrieb führt, insbesondere bei in Freilandhaltung lebenden Rindern, zu nachweisbar großem psychischen und physischen Stress. Dies widerspricht nicht nur dem Tierschutz, sondern hat auch einen erheblichen Einfluss auf die Fleischqualität. 
Der Kugelschuss auf der Weide, bei dem durch das Ausbleiben von Zwangsmaßnahmen keine Stresssituation für die Tiere erzeugt wird, ist nicht nur aus ethischen Gründen die klar zu bevorzugende Tötungsart, sondern auch hinsichtlich der Fleischreifung. 

Rinder sind Flucht- und Beutetiere, die versuchen eine Verletzung oder einen Erschöpfungszustand zu verbergen. Diese typische Eigenschaft führt leider oft dazu, dass ihr Leiden unterschätzt und ihre Leidensfähigkeit überstrapaziert wird. 
In verschiedenen Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass das Verladen auf den Transporter den größten Stress beim Rind auslöst. Dabei können der Blutcortisolwert und die Herzfrequenz um bis zu 80% ansteigen. Auch der Transport selbst ist stressvoll, ebenso wie die Gegebenheiten am Schlachthof durch Separierung der Herde und Zusammentreffen mit unbekannten Artgenossen und Menschen. 

Insbesondere der Stress, den die Tiere unmittelbar vor der Schlachtung erleben, kann sich messbar negativ auf die Fleischqualität auswirken. Einer der häufigsten Mängel wird als DFD-Fleisch bezeichnet (dark=dunkel, firm=fest, dry=trocken) und entsteht, wenn aufgrund von körperlichen Belastungen die Muskelglykogenreserven aufgebraucht sind, und somit keine ausreichende Laktatbildung gewährleistet ist. Dies führt zu einem zu hohen pH-Wert, welcher die weitere Fleischreifung verhindert. Neben der Wertminderung ist solches Fleisch auch besonders anfällig für mikrobiellen Verderb.

Die Zulässigkeit des Kugelschusses als Betäubungs- und Tötungsverfahren ist in der EU-Tierschutzschlachtverordnung 1099/2009 geregelt, entsprechend der Tier-LMHV §12 darf eine Schlachtung der Tiere im Herkunftsbetrieb durchgeführt werden. Das unter diesen Umständen gewonnene Fleisch darf unter bestimmten Bedingungen (a-j des Anhangs III, Abschnitt III, Nr. 3 der EU-Hygieneverordnung 853/2004) auch für den menschlichen Verzehr verwendet werden.

Die Durchführung des Kugelschusses erfordert einen speziellen Sachkundenachweis und ist genehmigungspflichtig. Bei der Durchführung wird darauf geachtet, möglichst keinen Stress zu verursachen, d.h. die Tiere werden vorab nicht einzeln separiert. Die Schussabgabe erfolgt unauffällig vom Hochsitz aus, um neben dem optimalen Einfallwinkel auch die höchstmögliche Sicherheit zu gewährleisten. Nach erfolgreicher Platzierung des Schusses, welcher zu einer umfassenden Zerstörung des Gehirns und damit zur sofortigen Betäubung des Tieres, bzw. zum unmittelbaren Hirntod führt, wird innerhalb von 60 Sekunden der vorgeschriebene Entblutungsschnitt durchgeführt. Hierdurch wird eine sichere Tötung des Tieres gewährleistet.